Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Übernachten im Waldlager

Logo https://bkz.pageflow.io/ubernachten-im-waldlager

Eine Nacktschnecke im Schlafsack, geheimnisvolle Geräusche im Unterholz und frische Spuren im Waldboden: Eine Nacht im Trekking-Camp bei Murrhardt ist deutlich abwechslungsreicher, als es zunächst klingt. Zwischen Lagerfeuer, Grillabend und völliger Dunkelheit zeigt der Wald nach Sonnenuntergang eine ganz andere Seite.

Wir haben das „Mikroabenteuer“ im Limes Camp Castra Silva gewagt. 
Zum Anfang
Unser „Mikroabenteuer“, wie das Team des Schwäbisch-Fränkischen Walds die Übernachtungen in seinen vier Trekking-Camps nennt, startet überraschend reibungslos.

Wir haben Glück mit dem Wetter: Die Sonne scheint, nachts sinkt die Temperatur gerade einmal auf angenehme 16 Grad.
Zum Anfang
Seit Juni 2025 gibt es die drei Camps bei Spraitbach, Gschwend und Abtsgmünd. Im Juli kam das vierte Lager bei Murrhardt dazu. Jedes Camp hat drei Zeltplätze, eine Komposttoilette und eine Feuerstelle.

Da wir die Einzigen sind, die an diesem Tag im „Limes Camp Castra Silva“ bei Murrhardt übernachten, können wir uns sogar aussuchen, auf welchem der drei dick mit Holzhackschnitzel bedeckten Zeltplätze wir unser Lager aufschlagen möchten.
Zum Anfang
Wir wählen „Castellum“ (Latein für Festung). Der Platz ist nicht zu nah, aber auch nicht zu weit weg von der Feuerstelle und liegt geschützt unter Bäumen an der Waldböschung.

Aber wie sind wir eigentlich hierher gekommen?
Zum Anfang

Einen Zeltplatz zu buchen, ist nicht kompliziert. Auf der Website des Schwäbisch-Fränkischen Walds müssen wir uns nur für eines der insgesamt vier Camps entscheiden. Da genügend Plätze frei sind, können wir direkt online reservieren.

Einen Stellplatz à 15 Euro die Nacht kann man von 1. Mai bis 31. Oktober unter t1p.de/ve195 buchen.
Zum Anfang
Die Nutzungszahlen sind laut Projektkoordinator Clemens Pleißner deutlich angestiegen. 2025 gab es 175 Buchungen, dieses Jahr sind es bereits mehr als 400. „Das ist super, wir sind bei einer Auslastung von rund 25 Prozent“, sagt Pleißner.

Obwohl die Buchungen gerne noch steigen könnten, betont er, dass der Naturpark natürlich auch keinen Massentourismus will. „Ziel ist es, die Menschen zum Trekking zu animieren.“

Die Rückmeldungen seien positiv. Das erfahre das Naturpark-Team entweder per Mail oder später über Videos von Influencern auf Youtube oder Instagram.
Zum Anfang
Die meisten Besucher kommen aus Baden-Württemberg, viele aus den Metropolregionen um Stuttgart und Heilbronn. „Für sie ist das ein Mikroabenteuer am Wochenende“, sagt Pleißner.

Aber auch ausländische Gäste besuchen die Camps. Ein Großteil nutzt sie zum Trekken: Die meisten bleiben eine Nacht in einem Camp und ziehen dann ins nächstgelegene weiter.
Zum Anfang
Wo genau sich die Camps im Schwäbisch-Fränkischen Wald verstecken, erfährt man erst mit der Buchung.

Mit der Bestätigung werden auch die Koordinaten zugeschickt. Der nächstgelegene Parkplatz befindet sich weniger als zehn Minuten von unserem Camp entfernt. Wir folgen unserer Onlinekarte, verlaufen ist quasi unmöglich.
Zum Anfang
Der Ausblick vom Waldrand auf die Höhenlagen um Murrhardt ist mehr als idyllisch. 

Die Wanderwege durch den Wald sind abwechslungsreich: Es geht über breite Schotterwege, aber auch entlang enger Pfade und durch hohes Gras. 
Zum Anfang

Neben Zelt, Schlafsäcken, Isomatte sowie allem Nötigen zum Grillen und fürs Frühstück haben wir Spiele, Kreuzworträtsel, Stifte, Müllbeutel, eine Lampe und sogar eine Lichterkette dabei.
Zum Anfang
Die erste Herausforderung wartet allerdings schon zu Hause: Der Schlafsack muss genäht werden, das Futter quillt innen aus der Seite. Das zweite Problem: Wir haben nur eine Isomatte. Eine dicke Kuscheldecke wird deshalb spontan zur Unterlage umfunktioniert. Eine Woche könnte man darauf zwar nicht schlafen, aber für eine Nacht geht’s.

Eine Lektion: Bevor man sich zum Zelten aufmacht, sollte man die Ausrüstung noch mal gut kontrollieren.
Zum Anfang

Wasser und Lebensmittel müssen wir natürlich selbst in den Wald mitbringen. Abgesehen davon ist aber alles vorhanden, was wir für unseren Grillabend brauchen: Die Feuerstelle ist mit einem Rost, einer Zange und sogar einer Bürste zum Saubermachen bestückt.

In der großen Holztruhe am Rand des Camps finden wir Holzscheite in verschiedenen Größen, dazu Kaminanzünder aus Holzwolle.
Zum Anfang
Ob wir es schaffen, ein Feuer zu entfachen, ist vorab unsere größte Sorge. Tatsächlich lodern die Flammen schon nach wenigen Minuten. 
Zum Anfang
Wir legen Grillkäse, Sojawürste, Maiskolben und Zucchinistreifen auf das Gitter. Dazu erhitzen wir etwas Wasser für zwei Tassen Tee.

Salz und Pfeffer haben wir dabei, genauso wie Besteck, Teller und Tassen.
Zum Anfang
An einen Baum lehnen sogar angespitzte Äste, die wohl von unseren Vorgängerinnen und Vorgängern stammen. Damit machen wir uns S’Mores: geröstete Marshmallows, die wir zwischen Schokokekse drücken. Yummy!
Zum Anfang
Die Latrine ist überraschend ansprechend: Sie befindet sich in einem Holzhäuschen mit ausreichend Abstand zu den Zeltstellplätzen.
Zum Anfang
Neben Toilettenpapier sind Desinfektionsmittel und Feuchttücher vorhanden, dazu gibt es spezielles Einstreu für Komposttoiletten, von dem man eine gute Schaufel voll nach der Benutzung ins Lokus-Loch hineinwirft.
Zum Anfang

Das Feuer ist längst ausgebrannt, um uns herum ist es komplett dunkel. Gruselgeschichten sind in dieser Nacht verboten. Sonst wäre es schon ein bisschen unheimlich im Wald, auch wenn die Straße als Grundrauschen im Hintergrund vernehmbar ist.
Zum Anfang
Doch kurz vor dem Einschlafen wartet eine tierische Überraschung auf uns: Die Nacktschnecke wartet schon im Schlafsack. Ihre Schleimspuren glänzen im Licht der Handy-Taschenlampe auf dem Stoff. Wenigstens haben wir den ungebetenen Gast noch vor dem Schlafengehen entdeckt.
Zum Anfang
Immer wieder knistert es nachts im Geäst. Ein Vogel gibt froschähnliche Laute von sich. Ein Wald ist nachts lauter, als man denkt. Gruselig ist es aber nicht, es kommt nicht einmal jemand vorbei.

Wir brauchen trotzdem beide eine Weile, bis wir in der ungewohnten Umgebung einschlafen. Bis um 8 Uhr bleiben wir dafür im Zelt liegen.
Zum Anfang

Für richtiges Trekking von Camp zu Camp reicht die Zeit dieses Mal leider nicht aus. Ganz ohne Eindrücke aus der näheren Umgebung möchten wir unser Nachtlager aber auch nicht verlassen.

Noch vor dem Frühstück brechen wir zu einer von insgesamt drei Limes-Turm-Ruinen in der Nähe auf. Als stilles Zeugnis vergangener Zeiten ragt sie zwischen den Bäumen auf. Um 8.45 Uhr haben wir diesen speziellen Ort ganz für uns.

Nur die aufgewühlte Erde zeigt uns, dass wir die Nacht doch nicht ganz allein im Wald verbracht haben: Die Spuren der Wildschweine sind noch frisch.
Zum Anfang
Nach der morgendlichen Erkundungstour geht es nochmal ins Camp für Frühstück. Erneut entzünden wir ein Feuer, die Feuerstelle ist vom Tag vorher sogar noch ein kleines bisschen erwärmt. 

Schnell kocht das Wasser für den frischen Kaffee, dazu gibt es Joghurt mit Müsli und Kreuzworträtsel.
Zum Anfang
Das „Limes Camp Castra Silva“ kommt einem Glamping-Erlebnis (Luxuscamping) erstaunlich nahe. Das erst im Juli eingerichtete Camp ist entsprechend neu, bei der Ausstattung wurde an viele Details gedacht.
 
Gepflegt werden die Lager von den Gemeinden, auf deren Gemarkung sie liegen. „Mindestens einmal pro Woche schaut jemand nach dem Rechten“, sagt Pleißner. Dabei wird etwa das Holz aufgefüllt oder es werden Schäden repariert. Letztere gab es bisher aber kaum. Auch mit Müll gebe es fast keine Probleme. „Die Zielgruppe ist da schon sehr sensibilisiert.“

Unser Fazit nach einer Nacht im Wald: Das war vermutlich nicht unser letztes Mikroabenteuer.
Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden