Von Matthias NothsteinViele Leben unter einem DachIm höchsten Wohnhaus Backnangs am Berliner Ring leben rund 120 Menschen. Kurzporträts stellen ein halbes Dutzend vor.
Die eine Hälfte der Wohnungen ist vermietet, die andere Hälfte gehört den Bewohnern selbst, so die Einschätzung von Hausmeister Sven Damerau. Weil aber die Zahl der Eigentümer stetig abnimmt, steigt die Fluktuation, „wir haben immer öfter Umzüge“. Am Miteinander kann das nicht liegen, dafür gibt es nicht nur viel Lob von allen Mitbewohnern, sondern sogar von der Polizei. Nur sehr wenige Einsätze sind dokumentiert.
Hochbetagt im achten Stock
Hochbetagt im achten Stock
Eine Familie, drei Stockwerke
Dem Schüler der Schickhardt-Realschule gefällt es, dass die Zimmer relativ groß sind und dass auch sein vierjähriger Bruder Miroslav ein eigenes Zimmer hat. Auch die Lage bezeichnet Nikita als hervorragend: „Meine Hobbys sind Joggen und Kardiotraining. Wenn ich das Haus verlasse, brauche ich nur die Straße zu überqueren und bin schon bald im Wald. Zudem ist die Busanbindung direkt vor dem Haus. Und auch die Lebensmittelversorgung ist nur ums Eck.“
Ein Ausblick zum Verlieben
Schädlich liebt es, ganz oben zu wohnen, „keiner trampelt mir auf dem Kopf rum“. Selbst dem Treppenhaus ringt er Positives ab. Ein Nachbar bewältigte die 180 Stufen stets zu Fuß und wurde über 90 Jahre alt. Diesem Beispiel eifert Schädlich nach. Wann immer es geht, lässt er den Aufzug links liegen. Gleichwohl kann er, wenn er seinen Wocheneinkauf und Getränkekisten transportieren möchte, vom Auto aus ebenerdig den Aufzug erreichen und dafür einen Transportwagen nutzen, der allen Bewohnern zur Verfügung steht.
Seit 1968 nie umgezogen
Nach zwei Jahren beendete Rist diese Tätigkeit, „es war zu viel Arbeit, ich konnte nicht mehr“. Weil der Standort des Aufzugs spät noch umgeplant wurde, vergrößerte sich der Zuschnitt ihrer Wohnung. Seit ihre Tochter ausgezogen und ihr Mann vor 20 Jahren gestorben ist, bewohnt sie 115 Quadratmeter ganz alleine. Die Tochter hat schon vorgeschlagen, zu ihr zu ziehen. Denn ein Auszug ihrerseits kommt für die rüstige Dame nicht infrage, „ich fühle mich sehr wohl hier“.
Blumen vor der Betonfassade
Viele Mitbewohner loben das Engagement Mertyns. „Das haben Sie schön gemacht“ oder „Danke“ – diese Worte bekommt sie oft zu hören. Manche geben einen Obolus für den Kauf von Erde, obwohl die Verwaltung die Kosten übernimmt. Sie erhält Postkarten von Mitbewohnern: „Wir haben heute schöne Blumen gesehen, das erinnert uns an unser Haus.“ Als sie einmal vier Clematis gepflanzt hatte, erklärte sie einem Mädchen: „Das ist eure Familie, Mama und Papa und ihr Kinder.“ Danach erfreuten sich die Kinder stets beim Anblick der Blumen und boten Mertyn an, bei der Gartenpflege mitzuhelfen.
Impressum
Text: Matthias Nothstein
Layout: Sindy Koch
Fotos: Dietmar van der Linden und Alexander Becher